Wedelt hier der Schwanz mit dem Hund? – aus gegebenem Anlass …

So, nun sind zwei Tage vorbei und ich ärgere mich immer noch. Hätte ich den Beitrag hier schon am Montag geschrieben, wären wohl noch Rauchschwaden aus Ohren und Nase aufgestiegen… Aber mit dem Alter wird man etwas weiser und lernt, noch einmal tief Luft zu holen und eine Nacht darüber zu schlafen, bevor man Dampf ablässt. Dies habe ich getan. Es waren dann von der ersten Rückmeldung an sogar 3 Nächte (auf meine Antwort, auf die Rückmeldung habe ich noch nicht mal mehr eine Reaktion bekommen… UND ich war ausgesucht höflich bei meinen beiden Schreiben!) Wie ihr seht, ich habe mich noch immer nicht wirklich beruhigt.

Für viele wird es nur eine Lappalie sein, über die ich mich hier aufrege, aber jeder, der sein Hobby liebt, wird mich zumindest ein bisschen verstehen.

Ich lese noch nicht sehr lange englische Originale, und habe von daher in der Vergangenheit immer auf die deutsche Übersetzung gewartet. Nicht, weil ich die Originale nicht lesen konnte, sondern weil ich es mir einfach nicht zugetraut habe. Auch heute noch habe ich mit manchen Autoren meine Schwierigkeiten, aber es wird von Buch zu Buch besser und ich werde (wenn ich drüber bleiben kann) auch schneller. Aber hier geht es um deutsche Bücher bzw. ins Deutsche übersetzte Bücher.

Nun gibt es ja in dem großen „Buchuniversum“ unzählige Sparten, beginnend mit den Sachbüchern, über Krimis, Thriller, Fantasy, Science Fiction, moderne Romane, Liebesromanzen und und und… Jede davon hat ihre Liebhaber und meist auch darauf spezialisierte Verlage. Nun gibt es aber auch noch eine Nische, die, so wie es scheint immer häufiger konsumiert wird und somit auch Geld bringt. Wir reden von LGBT und dies in allen Sparten. Lange Zeit hat es wunderbar funktioniert, diese Geschichten über Fan-Fictions an den Leser zu bringen, aber, und das kann ich gut verstehen, irgendwann dachten sich diese Hobbyautoren, wenn diese Stories so gut ankommen, dann bringe ich sie doch als Kauf(e)book auf den Markt. Hier drangen dann die ersten SP-ler auf den heiß umkämpften Markt der Verlage – und dies oh Schreck zum Teil auch noch mit (großem) Erfolg. Des Weiteren haben wir dann die sich auf LGBT spezialisierten Verlage, die dies auch mit einem großen Engagement und nicht geringen Erfolg durchziehen.

Tja, und dann kamen die klassischen Verlage dazu, die „oh Wunder“ sehr viel später auch noch die „Geldquelle“ der lesehungrigen LGBT-Leser entdeckt haben. In Zeiten der Marktwirtschaft spricht hier ja wirklich nichts dagegen. Denn, wer würde nicht auf einen Zug aufspringen, in dem noch Wagons frei sind, die einen zu den kauf- und lesewilligen Kunden fahren.

Und hier kommt das erste Stichwort: Kunde, Käufer, Leser. Das zweite jagen wir gleich hinterher: Marktwirtschaft am besten verbunden mit einem gutem Marketing.

WIR, sprich die Kunden/Käufer, sind wie Hunde vor dem Wurstregal. Wir sitzen da, freuen uns auf jede Neuerscheinung und jedes übersetzte Original  (je positiver das englische Original bewertet wurde, um so heftiger ist unser „schwanzwedeln“). Nun gibt es die Leser, die sich die Bücher ihrer Lieblingsautoren als Hardcover oder Taschenbuch ins Regal stellen (das schaffen bei mir nur noch wenige Autoren) oder eben dann als eBook auf den Reader legen. Bei ganz besonderen „Exemplaren“ haben manche Leser dann sogar beides.

Allerdings sind wir schwanzwedelnden Kunden durchaus auch lernfähig. Wir lassen uns gerne eine Zeit lang an der Nase herumführen, und auch wenn wir lange und ausdauernd nur knurren, irgendwann schnappen wir auch schon mal zu.

Bei mir ist dieser Fall nun eingetreten. Eine sehr erfolgreiche Original-Buchserie (LGBT – mit Krimiplot) wurde von einem deutschen Verlag unter Vertrag genommen und soll nun nach und nach übersetzt werden. Dies freut uns Leser natürlich sehr – bis … ja bis …

… bis nach Erscheinen des ersten Buches – welches in sehr kundenfreundlichem Engagement – mit einem minimalen Preisunterschied von € 1,– sowohl als TB als auch als eBook angeboten wurde. Da die Kritiken aka Reviews zu den Originalen ausnahmslos im 4 und 5 Sternebereich lagen, dachte ich mir „ach, wenn es diese Serie schon in der Übersetzung gibt und der Preisunterschied zum eBook so gering ist, dann stelle ich mir hier doch die TB ins Regal“. Am A*** die Räuber, das erste Buch steht im Regal, weitere werden nicht gedruckt werden, da wohl Angebot und Nachfrage nicht in einem umsatzfreundlichen Kontext stehen. Auszug aus dem „Schriftwechsel“ […Wenn eine Reihe allerdings so gar nicht oder nicht mehr von den deutschen Lesern angenommen wird und die Absatzzahlen so gering sind, dass es für uns einen Verlust bedeuten würde, weiterzumachen, müssen wir irgendwann die Notbremse ziehen. …]

Tja, kann man ja verstehen – muss man aber nicht, denn wenn man mMn nach dem ersten erschienen Buch (interessant, dass “irgendwann” bereits nach dem ersten Buch ist) so reagiert, gibt man der Sache ja noch nicht mal eine reelle Chance…

Lieber Verlag „XYZ“, ihr habt es geschafft euch in meinen Augen, marketingtechnisch als absolutes „No go“ zu outen. Wenn ihr euch schon in einer Nische zu schaffen macht, die jenseits von dem liegt, was ihr in der Vergangenheit auf den Markt gebracht habt, dann braucht ihr euch auch nicht wundern, wenn es Startschwierigkeiten gibt. WARUM geht ihr erst mit zwei Varianten auf den Markt, um eine davon dann sofort wieder in die Tonne zu treten. Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich mir nun das eBook auch noch kaufen werde? – zumal ich mir bei diesem Geschäftsgebaren fast nicht vorstellen kann, dass ihr alle bisher erschienenen 7,5 Bücher (7 Bücher und eine Novelle) auf den Markt bringen werdet, wenn auch nur ein Quäntchen an Umsatz fehlt – sorry!

Die meisten SP-ler haben hier mehr drauf. Viele von ihnen bringen das eBook auf den Markt und bekommen dann die Nachfragen bzgl. eines Druckexemplars – dann wird ein bisschen gesammelt und „pi mal Daumen“, plus ein paar zusätzliche Exemplare, bestellt. Die Kosten dafür können nicht so exorbitant sein, denn deren Bücher bewegen sich +/- € 2,– über eurem aufgerufenen Verlagspreis. Dafür war das vom SP-ler auf dem Markt befindliche eBook doch um einiges günstiger (ca. € 2,– bis 3,– ). UND die Qualität der Bücher ist kein bisschen schlechter als die der Verlagsbücher… Ich weiß das, weil einige davon in meinem Regal stehen.

Dass es bei euch an den hohen Druckkosten scheitert, könnt ihr somit euren Enkelkindern in der Märchenstunde erzählen. Es ist lange her (ja, ihr habt es hier nicht mit einem Frischling zu tun, sondern mit jemandem, der sich schon das eine oder andere Jahrzehnt durch die kaufmännische Geschäftswelt bewegt), dass mir so eine pseudokluge Blabla-Antwort zurückgeschrieben wurde.

Ich für meinen Teil bin durchaus lernfähig, denn das bedeutet für mich, entweder nun die Originalserie zu lesen oder zu warten, bis die Serie komplett übersetzt auf dem Markt ist. Denn es besteht ja – wie oben schon angemerkt – anhand dieser Verkaufsstrategie, immer noch die Möglichkeit, dass die Serie nur zum Teil übersetzt wird, falls die Verkaufszahlen dann auch nicht den Erwartungen entsprechen.
Hier kommt nun der Schwanz, der mit dem Hund wedelt zum Tragen, denn, ich als Kunde werde abwarten was passiert. D.h. somit stimmen die laufenden Verkaufszahlen für den Verlag ja auch nicht, obwohl ja dann – bei einem kompletten Vorliegen der Serie – und zwar erst dann, alle Bücher gekauft werden.

Fakt für mich als Kunde/Leser ist nun, dass dieser Verlag auf meiner Kaufprioritätenliste nun eher im hinteren Bereich angesiedelt ist und ich Bücher nicht mehr „neu“, sondern dann eben auf dem Gebrauchtmarkt kaufen werde, WENN ich sie denn unbedingt will (ich habe 3 Serien aus diesem Hause, die ich gerne noch komplettieren möchte, dies aber frei nach dem Motto des Verlages „nicht um jeden Preis“) und mir nun im Laufe der Zeit die englischen Originale dieser neuen Serie auf den eBook-Reader holen werde – die Rechte hierfür liegen – und darauf möchte ich besonders hinweisen – bei einem ausgewiesenen und spezialisierten LGBT-Verlag, mit einem hervorragenden Kundenservice, bei dem man nicht mit Standardargumenten ruhig gestellt wird, sondern es ein lösungsorientiertes Verkäufer-/Kundenverhältnis gibt. Lieber Verlag “XYZ”, ihr fragt euch sicher woher ich das weiß?  Tja, ratet mal …

Vielleicht liest ja zufällig ein (oder sogar DER) Vertriebsmitarbeiter des Verlages “XYZ” hier mit – ich kann auf jeden Fall die Seite studieren.de empfehlen und speziell die Seite: „Marketing: Der Kunde ist König“. Bereits im 1.Absatz heißt es: Was will der Kunde? Wenn ich das weiß, kann ich eine Strategie entwickeln. An welche Zielgruppe komme ich mit welchen Mitteln heran? Das ist die grundlegende Frage, wenn es ums Verkaufen von Produkten geht.  Das ist zumindest das, was ich noch gelernt habe…

Ergo:
gerade als Unternehmer mache ich mir VORHER Gedanken – so wie im wirklichen Leben halt auch … Wenn ich in einer Nische Platz finden will, muss ich schauen, wie ich mich darin einrichte – so, wie hier geschehen, wird es nicht funktionieren … Denn wenn meine übliche Klientel bisher bei überwiegend “Hetero” Romanen in diversen Sparten lag, kann ich nicht erwarten, dass ich mich gleich im LGBT-Bereich damit durchsetze. Entweder ich habe die Geduld für dieses “Wagnis”  oder ich muss es halt sein lassen.

In diesem Sinne lieber Verlag „XYZ“ – gehabt Euch wohl …

Mit nicht ganz so freundlichen Grüßen

PS  ich überlege seit Montag ernsthaft, wie die Reaktion des Verlages gewesen wäre, wenn ich mich als Buchblogger im Gay-Bereich geoutet und nicht als normaler “Lesekunde” nachgefragt hätte … Aber egal, dies hat mir den Stellenwert des normalen Kunden gezeigt und bedeutet für mich, wie im “wirklichen Leben auch” – ich wurde unfreundlich/nicht wirklich kompetent bedient – ich gehe nicht mehr hin.

Wie wurde schon bei “Pretty Woman” gesagt:   Dumm gelaufen…
oder im Original:  Big mistake. Big. Huge!

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