“Vertrauen und Hingabe” – Tere Michaels


© Dreamspinner Press  |  Cover & Klappentext

Klappentext
Der kürzliche Tod seiner Frau hat den Polizisten Evan Cerelli aus der Bahn geworfen und wenn er seine vier Kinder anblickt, sieht er nur, wie er ihnen nicht gerecht wird. Seine liebevolle Frau hatte sich um sie gekümmert und sie erzogen, und jetzt fühlt der alleinerziehende Vater sich erdrückt von dem Schmerz des Verlustes und der schweren Verantwortung, seine Kinder großzuziehen.

Auf das Drängen seiner Partnerin hin feiert Evan den Ruhestand eines Kollegen und trifft den ehemaligen, in Ungnade gefallenen Polizisten, Matt Haight, der inzwischen als Sicherheitsberater arbeitet. Es stellt sich heraus, dass die Freundschaft, die aus Einsamkeit und dem Trost der Flasche entsteht, genau das ist, was beide brauchen.

Das vergangene Jahr war ein langsamer Tod für Matt Haight. Von seiner geliebten Polizeitruppe geächtet, sieht er sich mittlerem Lebensalter und konstanter Einsamkeit gegenüber und außer einem schwarzen Loch kann er in seiner Zukunft nichts erkennen. Als er in Evan eine andere verlorene Seele findet, setzen sich ein paar Teile, die er verloren geglaubt hatte, wieder zusammen. Ihre Freundschaft verwandelt sich in etwas Tiefergehendes, aber Liebe ist das letzte, was die beiden Männer erwartet haben und beide haben Schwierigkeiten damit, ihre neuen und überwältigenden Gefühle füreinander mit sich in Einklang zu bringen.

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Nun denn, dann fange ich mal mein Review mit einem soliden “mmmmh” an …

“Vertrauen und Hingabe” ist für mich mal wieder ein Buch der Kategorie “hach, ich weiß nicht”. Hat es mich zu Beginn sofort in seinen Bann gezogen, emotional berührt und tränenüberströmt auf dem Sofa sitzen lassen, so gab es am Ende doch die eine oder andere Frage, die (für mich) unbeantwortet blieb.

Achtung spoilerlastige Rezension!

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich vorher schon einmal ein Buch gelesen habe, wo BEIDE Männer, bis sie sich trafen, noch nie und in keinster Weise am eigenen Geschlecht Interesse gezeigt hatten. Noch dazu, wo beide doch emotional nicht wirklich gefestigt sind. Matt fand ich klasse. Loyal, liebenswert, zwar nicht wirklich glücklich, aber mit seiner Situation klarkommend.
Evan traumatisiert, unglücklich, mehr oder weniger alleine mit seinen vier Kindern und einsam.

Eigentlich eine Konstellation, aus der man entweder was machen oder sie mit Schwung in den Graben fahren kann. Hier war es irgendwie Familiengeschichte, Drama, Romanze und etwas halbgares, für mich nicht greifbares.
Evans Glück wurde in einem einzigen Augenblick niedergerissen. Dass er traumatisiert ist und lange braucht, bis er sich wieder in seinem Leben und mit seinen Kindern zurecht findet, ist grundsätzlich verständlich. Egal was war, seine Freunde waren für ihn da. Als er dann Matt kennenlernt, sich in ihn verliebt und merkt, dass er neue Gefühle entwickeln kann, auch wenn ihm diese, da für einen Mann, erst einmal erschrecken. Als es schwierig wird, zieht er sich wieder in sein Schneckenhaus zurück und stößt Matt zurück. Himmelherrgottnochmal, Evan ist Mitte Dreißig, hat einen angesehenen – wenn auch gefährlichen – Beruf, tolle Kinder, fantastische Kollegen und meiner Meinung nach DEPRESSIONEN! Leider wird dieses Thema mal so gar nicht angesprochen und von jedem nur als “schwere Zeit” angesehen. Zudem ist er nicht in der Lage, seinen Rücken durchzustrecken und sein Leben zu leben. Nein, man macht sich Gedanken darüber, was andere sagen, denken und meinen. Als er sich dann endlich – auf Druck seines Vorgesetzten in Therapie begibt, wird dieses Thema im Buch “nur mal so erwähnt”.

Matt hat ebenfalls viel Mist in seinem Leben erlebt, musste, weil er ehrlich und korrekt gehandelt hat, seinen Dienst aufgeben müssen (tja, auch hier wäre ein bisschen mehr Input gut gewesen, denn mit der Geschichte, wie sie wohl passiert ist, verlässt keiner die Polizei ohne angemessene Abfindung – aber: er hat zwar Reserven, aber …). Er ist nicht glücklich in seinem Job, hat sein Los aber angenommen. Als er auf Evan trifft, wird sein Leben noch einmal vollkommen durcheinander gewirbelt. Gut, er hat nicht so viel zu verlieren wie Evan, dennoch fällt er (wieder) in ein emotionales Loch, macht zu und versucht sein  Seelenheil mit Alkohol wieder herzustellen.

Geht man nur die Romanze an, dann haben wir eine Geschichte mit viel hin und her, mit einer nicht wirklich gefestigten Person und einer zweiten, die gerne wieder Verantwortung übernehmen möchte, aber irgendwie immer dann wieder “kaltgestellt” wird,  wenn er das Richtige tut.

Sieht man es von einer dramatischeren Seite, dann kamen mir die hierfür relevanten Dinge (wie z.B. Verlustbewältigung, Depression usw.) zu kurz. Die Geschichte hat sich eigentlich flüssig lesen lassen, hatte für mich einige Längen, die man für mich ruhig mit z.B. einigen Therapiegesprächen hätte füllen können. So hätte man vielleicht den (wieder einmal) plötzlichen Sinneswandel von Evan nachvollziehen können. So war es für mich ein “rein aus den Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln”. Es fiel mir echt schwer, bei ihm zu bleiben und nicht genervt die Augen zu verdrehen.  Wenn Matt nicht so in ihn verliebt gewesen wäre, hätte er sich eigentlich umdrehen und gehen müssen, denn die Vorstellung, dass Evan das unausgeglichene und unreife Verhalten niemals ablegen wird, ist ziemlich verschreckend.

Puh, das klingt jetzt fürchterlich negativ, aber so ist die Geschichte gar nicht. Es gibt einige tieftraurige Moment, sehr viel sehr liebevolle Episoden, tolle Freunde, fantastische Kinder, fiese Schwiegereltern und einen sehr interessanten Mann, der wohl seine eigene Geschichte bekommen wird. Alles in allem ist eigentlich alles da, was man braucht, um ein paar Stunden abtauchen zu können. Wenn mich jetzt nicht so einiges gestört bzw. ich nicht dies und das vermisst hätte, hätte es durchaus eine klasse Geschichte werden können. Da aber andere meine bemängelten Dinge vielleicht gar nicht stören, lest es selbst, es gibt ja auch noch andere Rezensionen, die man sich ansehen kann.

Bis bald,

Mehr Meinungen zu diesem Buch gibt es beim Laberladen & bei GayDanken sowie über Goodreads bei Mathilda Grace

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Ein solides “mmmmh” ist eine Bewertung, die ich sehr gut kenne. Manchmal geht es mir mit Büchern auch so :-) Ich glaube, dass beide Männer bisexuell sind und schon immer waren. Evan hat seine Frau sehr früh kennengelernt und sich weder nach anderen Männern noch Frauen umgesehen, weil er einfach verliebt und glücklich war. So hatte er keine Gelegenheit, diese Seite auszuleben. Matt, tja, wieso ihn vor Evan nie ein Mann interessiert hat? Vielleicht war er nur nicht aufmerksam und empfänglich dafür? Das hätte man aber schon ein bisschen näher beleuchten können. Glaubwürdig fand ich die Entwicklung bei beiden schon… Lies mehr »