“Find me, keep me” – Raik Thorstad

© Cursed Verlag  |  Cover & Klappentext

Klappentext
Buchhalter Julian könnte mit seinem Leben eigentlich ganz zufrieden sein, wenn er nur nicht ständig von seinen Partnern verlassen werden würde. Dabei versteht er überhaupt nicht, warum er keine erfolgreiche Beziehung führen kann. Er würde alles für seinen Partner tun, aber offensichtlich ist es nie genug.
Eines Tages begegnet er auf der Arbeit Lasse, der Julians Welt im Handumdrehen auf den Kopf stellt. Lasse ist laut, direkt, punkig und kümmert sich gleichzeitig aufopferungsvoll um seine Familie, die im schlechtesten Viertel der Stadt wohnt und deren geringstes Problem ernsthafte Geldsorgen sind.
Anfangs noch überfordert, wird Julian schnell klar, dass er helfen muss, vor allem, da er sich zunehmend in Lasse verliebt. Womit er jedoch nicht gerechnet hat: Lasse ist genau der Richtige, um Julian zu zeigen, dass auch er Hilfe braucht. Während ihre Gefühle füreinander immer tiefer werden, wachsen ihnen Probleme über den Kopf, die sie nur gemeinsam bewältigen können.

Entspricht 634 Romanseiten.

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Wie ihr ja wisst, liebe ich Geschichten in die man so richtig eintauchen kann. Diese hier hat alles dafür gegeben, dass das auch funktioniert hat. Auf gut 630 TB-Seiten kann man viele Gegebenheiten, Befindlichkeiten, Eigenheiten, aber auch Probleme und Sozialstudien unterbringen. Einige Rezensenten haben die Geschichte um Julian und Lasse als langatmig beschrieben. So ganz kann ich das nicht bestätigen, denn langatmig steht für mich für “nichtsagende Lückenfüller” und das war hier mal wirklich nicht der Fall.

Da, wo Lasse herkommt, möchte keiner von uns leben und doch gibt es diese Viertel und jeder von uns hat sich schon mal dabei ertappt, dass man gedacht hat, dass man sein Los wohl selbst in der Hand hat und niemand so leben muss. Klar, müsste niemand so leben, wenn man a) eine Chance bekäme und b) die Lebensumstände andere wären. Lasse hätte eigentlich nie eine Chance gehabt, auch wenn er sein Bestes in den Ring werfen würde (was er eh schon jahrelang versucht), denn zuhause wartet eine alkoholabhängige Mutter, die auch ab und zu Drogen konsumiert, deren Lebensgefährte, ein drogenabhängiger Dealer, seine 11-jährige, schon viel zu reife Schwester Lilly, die  6-jährige offenherzige und zutrauliche Bella und Draco, der 4-jährige, viel zu stille kleine Bruder. Die Hölle pur für einen 19-jährigen, der eigentlich noch Wünsche und Träume von dem haben sollte, was er mit seinem Leben alles anfangen könnte, wenn … ja wenn …
Raik Thorstad lässt sich Zeit all die Unwegsamkeiten die dieser Familie bzw. den Kindern aufgebürdet werden, zu erzählen. Klar gibt es Dinge, die hätte es in dieser Ausführlichkeit nicht zwingend gebraucht, mich haben sie nicht gestört, denn ich wurde nie aus dem Lesefluss gerissen. Es passte eins zum anderen und das war gut.

Lasse ist ein toller Typ. Viel zu erwachsen für sein Alter, viel zu viel lastet auf seinen Schultern und eigentlich kann er sein Leben wirklich niemandem zumuten … Aber da ist Julian, sein Kollege. Julian geht es auf den ersten Blick wirklich klasse. Im Gegensatz zu Lasses Familie, die in einer Bruchbude haust, hat er eine wunderschöne eigene Wohnung, einen guten Job, der ihm Spaß macht, ein Auto und auch für ein paar Extras reicht sein Einkommen noch. Was will man mehr? Und doch hat Julian Probleme, die keiner sieht, die er gut versteckt. Er lässt niemanden nah genug an sich heran, damit niemand merkt, was mit ihm los ist, wie kaputt er ist.

Garstig wie ich bin, ist nicht Lasse mit seiner Familie der Faktor, der ein bisschen nervig war, für mich war das Julian. Ich hatte zwischendurch doch Schwierigkeiten, seinen kruden Gedankengängen zu folgen und wollte ihn das eine oder andere Mal durch einen leichten Schlag auf den Hinterkopf zum Nachdenken bringen. Immer in der Hoffnung, dass er merkt, dass das, was mit ihm “nicht stimmt” durch eine gute Therapie wahrscheinlich zu beheben wäre.

Wenn es allerdings um Lasse und seine Familie geht, dann schaltet Julian ohne nachzudenken in den Hilfemodus und steht seinen Mann. Hierfür habe ich ihm zwischendurch wirklich Respekt gezollt. Trotz aller Ängste und die Wut, die Lasse niederdrücken, geht er seinen Weg, der mit der Unterstützung von Julian nicht mehr ganz so steinig ist. Und weil Sternschnuppen Wünsche erfüllen können (wenn man dran glaubt, funktioniert das auch mit imaginären ;-) ), wird auch für ihn und seine Geschwister alles gut.

Mir hat die Geschichte wirklich gut gefallen,. Nicht ganz das was man sonst so von Raik Thorstad kennt, aber wirklich gut und flüssig lesbar. Wer also auf Familiendramen, nervige Geschwister und Männer, die aus Mist das Beste machen können, steht und keine Angst vor über 600 Seiten hat, dem kann ich nur viel Spaß mit den Jungs aus Dortmund wünschen.

In diesem Sinne …

bis bald,

Eine weitere Meinung zu dieser Geschichte findet ihr bei Laberladen

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