“Eine Randbemerkung” & “Zwölf Tage” (Der Buchladen 1+2) – Isabelle Rowan

© Dreamspinner Press  |  Cover & Klappentext

Klappentext
John McCann ist ein Mensch, der das Leben nach den Bilanzen im Hauptbuch beurteilt. Sein oberstes Ziel ist es, den geschäftlichen Erfolg, den er sich erarbeitet hat, zu erhalten und zu genießen. Jedoch stellen ihn zunehmend schlimmere Migräneanfälle vor ein Problem, und sein Arzt rät ihm zu einem Tapetenwechsel – er solle sich doch ein nettes kleines Geschäft auf dem Lande kaufen, zur Ruhe kommen, seine Zeit mit etwas Einfacherem ausfüllen…

John weiß zwar, dass der Doktor recht hat, doch er kann seinen hart erkämpften Job nicht einfach aufgeben. Also beschließt er, sich ein Jahr frei zu nehmen; dieses Opfer dürfte seine Pläne nicht allzusehr stören. Und so findet er sich als Geschäftsführer des Margins wieder, eines gemütlichen kleinen Buchladens. Jamie, der Sohn der früheren Besitzerin, wird sein Assistent. John rechnet fest damit, nach diesem einen Jahr seinen Stress unter Kontrolle zu haben und zum Geschäft zurückkehren zu können.

Allerdings hat John nicht damit gerechnet, wie sehr das Margins und seine Menschen ihn in den Bann ziehen – vor allem der stille, ungepflegte Mann, der in einem alten Ledersessel in der Secondhand-Abteilung Zuflucht sucht. Johns Pläne für ein ungebundenes Jahr als einfacher Ladenbesitzer zerfallen zu Staub, als er David kennenlernt und sich gezwungen sieht, das Leben, die Liebe und seine wirklichen Erwartungen an beides neu zu bewerten. John und David müssen beide erst ihre Vergangenheit bewältigen, ehe sie daran denken können, sich eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.

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Als Aufgabe einer Challenge sollte ein Buch gelesen werden, dem man eine zweite Chance geben möchte. Ich habe bei einigen gelesen, dass sie Bücher zur Hand genommen haben, die in den unterschiedlichsten Lesestadien abgebrochen wurden. Ich habe dieses Buch beim ersten Lesen – direkt nach dem Erscheinen – durchaus bis zum Ende gelesen, war mir aber, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange gebloggt habe, nicht sicher, wie ich mein Empfinden ausdrücken soll und habe es aus diesem Grund einfach sein lassen.

Nun, habe ich dem Buch eine zweite Chance gegeben und es hat mir zum einen genauso gut gefallen wie beim ersten Mal, es hat mich genauso berührt und ich habe auch dieses Mal mit David mitgelitten. Aber … und auch das hat mich genauso stark gestört wie damals, es wurde ein Seitenstrang, eine Nebenfigur einfach unter den Tisch gekehrt. Mittlerweile weiß ich, dass ich gegen dieses Missempfinden, dass ich bei solchen “nicht vollendeten” Nebenhandlungen habe, einfach nicht ankomme. Ich hatte es schon einmal erklärt, wie der Film dann in meinem Kopf abläuft. Ich lese, bin wirklich in der Geschichte drin (so wie auch hier) und warte mit jedem neuen Absatz, jedem Kapitel, dass diese Person bzw. die Handlung um diese Person zu Ende gebracht wird. Wen so etwas nicht stört, hat mit eine Randbemerkung eine wunderbare Geschichte über zwei “sich selbst verlorene” Männer, die jeder für sich und doch gemeinsam einen Weg zurück ins “normale” Leben finden müssen. Die Geschichte von John ist komplett anders gelagert als die von David. John wollte nach einer schwierigen Kindheit nie mehr “arm” sein und hätte sich auf seinem Weg zu Macht und Geld fast selbst verloren. Auf der anderen Seite steht David, der alles hatte und sich dann wirklich verloren hat. Das unsichtbare und nicht klar benannte Damoklesschwert einer Depression schwebt permanent über ihm und zieht ihn immer wieder ins Dunkel. Wer so lange wie David mit sich selbst in einer Welt lebt, die sich “Otto Normalverbraucher” nicht einmal im Traum vorstellen kann, braucht jederzeit die Möglichkeit der “Flucht” und die Zeit, um wieder zurückzufinden. Auch wenn es John mehr als schwer fällt, ihm sowohl den Raum als auch die Zeit zu geben, tut er es.

Ganz langsam gelingt es John, mit der Hilfe von Jamie, David in ganz kleinen Schritten wieder in ein relativ normales Leben zurückzuführen. Welch große Rolle der meist gutgelaunte Jamie in beider Leben spielt und wieviel ihm selbst fehlt, geht unter der Präsenz der beiden fast ein bisschen unter. Aber ebenso wie Barbara und Davids Sohn Adam sind diese “Nebenprotagonisten” wichtig für die Geschichte, aber auch für David und John.

Eine wirklich schöne und berührende Geschichte um zwei nicht so ganz gewöhnliche Protagonisten. Dennoch ist und bleibt für mich eine Frage offen:

Das Foto wurde wie folgt zur Verfügung gestellt: “Freie kommerzielle Nutzung – Kein Bildnachweis nötig”

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© DSP | Cover & Klappentext

Klappentext
Fortsetzung zu “Eine Randbemerkung”

Weihnachten ist für viele die Zeit der Liebe und Freude, doch für drei Männer in einem Buchladen namens Margins wird die heiße australische Weihnacht auch zu einer Zeit des Nachdenkens über das, was einst war und das, was noch kommen wird und zeigt ihnen auf, wie wichtig Heimat und Familie sind. Ihre Lebenswege führen im Buchladen zusammen, doch dabei hat jeder seine eigenen Hürden zu meistern: David fällt es schwer, mit seinem Sohn wieder eine Verbindung aufzubauen; John erfährt etwas über den Vater, der ihn verlassen hat, und Jamie macht sich darauf gefasst, Weihnachten zum ersten Mal allein verbringen zu müssen.

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Beim ersten Lesen von “Nur eine Randbemerkung” gab es die Fortsetzung “Zwölf Tage” noch nicht, sodass ich dachte, dass meine Frage nach dem Verbleib von Marian vielleicht hier beantwortet wird. Nope, das war nicht der Fall, aber es wurden dann doch noch so einige Kleinigkeiten, die den neugierigen Leser interessieren könnten, beantwortet. Passend zur Weihnachtszeit, in der diese Kurzgeschichte spielt, ist die Geschichte einfach nur schön und liebevoll und zeigt noch einmal deutlich, wohin einen (im positiven gesehen) ein bisschen zwischenmenschliche Empathie bringen kann.

Für mich ist es mit dem zweiten Buch nun eine ziemlich runde Sache, die einen passend zum Weihnachtshintergrund, “wohlig” zurücklässt. Und dass, obwohl ich immer noch nicht weiß, was mit Marian passiert ist ;-).

Bis bald,

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Ich kann Deine Irritation wegen Marian absolut verstehen! Ich muss sagen, dass ich auch eine ganze Weile dachte, dass sie als “Komplikation” irgendwann vor der Tür steht, weil ich diesen Handlungsstrang auch nicht als vernünftig abgeschlossen angesehen habe. Schade eigentlich, denn das hätte man mit ein paar wenigen Sätzen erledigen können, wenn man kein großes Thema draus machen will.
Groß gestört hat mich das aber nicht, weil mir das einfach zu unwichtig war. Und der Rest der tollen Geschichte hat definitiv überwogen und ich fand auch die weihnachtliche Ergäzungsgeschichte toll.
LG Gabi