“Carry the Ocean (The Roosevelt 1)” – Heidi Cullinan

© Heidi Cullinan  |  Cover & Klappentext

Klappentext
Normal is just a setting on the dryer.

High school graduate Jeremey Samson is looking forward to burying his head under the covers and sleeping until it’s time to leave for college. Then a tornado named Emmet Washington enters his life. The young man with a double major in math and computer science is handsome, forward, wicked smart, interested in dating Jeremey—and he has autism.

But Jeremey doesn’t judge him for that. He’s too busy judging himself, as are his parents, who don’t believe in things like clinical depression. When Jeremey’s untreated illness reaches a critical breaking point, Emmet is the white knight who rescues him and brings him along as a roommate to The Roosevelt, a quirky new assisted living facility.

As Jeremey and Emmet find their feet at The Roosevelt, they begin to believe they can be loved for the men they are beyond their disabilities. But before they can trust enough to fall head over heels, they must trust their own convictions that friendship is a healing force and love can overcome any obstacle.

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Um was geht es in “Carry the Ocean”?
Die Geschichte wird aus wechselnder Sicht von Emmet und Jeremey erzählt. Emmet lebt mit der Diagnose einer “Autismus-Spektrum-Störung”, ist hochintelligent und schwer verliebt in seinen Nachbarn Jeremey. Jeremey leidet unter seiner klinischen Depression und einer ebensolchen Angststörung. Wie der Weg der beiden jungen Männer in ein selbständiges Leben möglich ist, wird in diesem Buch erzählt.

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Puh, wie schreibt man eine Rezension zu einem unglaublich wunderbaren Buch, das einem …

… das Herz schwer macht
… zum Nachdenken bringt
… wütend macht
… und dennoch mit einem Wohlgefühl und Wärme zurück lässt?

Am besten liest man es selbst ;-). Nein im Ernst. Für viele Menschen unter uns, sind Menschen mit einem Handicap immer noch eine Randgruppe, die nicht wirklich in ein angepasstes, glattgebügeltes und von Schönheitsidealen geprägtes Leben passen. Aber genau wie in “Ethan und Carter – du bist meine Melody” wird uns in diesem Buch gezeigt, dass eben nicht immer alles rund und glatt sein muss, um lebens- und liebenswert zu sein.
Sowohl Emmet als auch Jeremey müssen mit ihrem “Anderssein” leben. Wobei Emmet mit seiner Intelligenz und einem liebevollen, ihn stets fördernden Elternhaus eine richtig gute Basis für sein Leben bekommen hat. Anders bei Jeremey (ich mag das dritte “e” in seinem Namen), dessen Eltern mit seiner klinischen Depression, verbunden mit einer Angststörung, nichts anfangen können oder wollen. Sie sind der Meinung, dass wenn er nur wollte, das schon überwinden könnte … Der einzige für sie mit “Behinderung” ist Emmet und somit ist er keinesfalls gut genug für ihren Sohn. Das Emmet der Grund ist, warum ihr Sohn überhaupt noch weiterleben will, wollen sie nicht sehen. Meiner Meinung nach konnte diese Beziehung nur durch Emmets klare und pointierte Sprache, die komplett ohne Schnörkel, irgendwelchen “hätte, wenn und aber” auskommt. So weiß jeder in seinem Umfeld wie er dran ist, auch wenn es manchmal etwas “harsch” rüberkommt.

Ich finde, dass Heidi Cullinan mit “Carry the Ocean” ein unglaubliches Buch geschrieben hat, dass schnellstmöglich übersetzt werden sollte. Ich habe so manche Lehre, aber auch Erkenntnis aus der Geschichte der beiden wirklich besonderen jungen Männer gezogen. Alleine die Beschreibung der jeweiligen Einschränkung hat mir so vieles deutlicher gemacht. Die wirklich bildhafte Beschreibung von Jeremeys Depression machte diese Erkrankung für mich als Nichtbetroffene gut “greifbar”, ebenso wie Emmets “Autismus”, an dem er uns teilhaben lässt.

Das klingt jetzt alles ziemlich traurig und finster, aber die Autorin schafft es wunderbar, nach jeder “dunklen” Szene wieder die Sonne scheinen zu lassen. Was die beiden Jungs auf die Beine stellen, wie kreativ Emmet in seiner Liebe zu Jeremey ist und wie wunderbar die beiden ihre Beziehung – irgendwann auch auf sich gestellt – leben, ist einfach schön. Ich habe gelernt, dass nicht jede emotionale Einschränkung ein komplettes Definzit sein muss, sondern dass manches Handicap durch eine andere Eigenschaft “ausgeglichen” werden kann. Klar, es bedurfte vieler Therapiestunden, bis Emmet soweit war, dass er sein Leben “in für ihn geordneten Bahnen” leben kann, seine Bedürfnisse klar zu äußern und sich die Räume zu schaffen, die er braucht. Klare Regeln, die auch Jeremey das Leben einfacher machen, helfen dabei. Dass Emmet mit einem Partner wie Jeremey das goldene Los gezogen hat, ist dann das Tüpfelchen auf dem “i”. Dieser spürt genau, wann Emmet aus Situationen raus muss, wann er für sich sein will und was er ihm an Zuwendungen zumuten kann.

Ich habe “Carry the Ocean” erst gelesen, als es den Folgeband “Shelter the Sea” schon gab. Das heißt, ich konnte direkt im Anschluss weiterlesen, denn ich hatte durchaus das Gefühl, dass die beiden ihre Geschichte noch nicht ganz erzählt haben.

Wenn ich euch also 2018 ein ganz besonderes Buch (in englischer Sprache) ans Herz legen darf, dann dieses. Oh, was ich auch nicht vergessen darf, das Cover des Buches ist für mich eines der besten, dass ich jemals gesehen habe und die Kombination aus beidem durfte nun auch noch ins Regal einziehen ❤.

Bis bald,

Weitere Meinungen zu dieser Geschichte findet ihr bei Gaylesen & Laberladen

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